Dienstag - 27. Oktober 2009
Telefon-Pressekonferenz zum 3. Quartal 2009
Aus den Ausführungen von Werner Wenning
Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG
(Es gilt das gesprochene Wort)
Meine Damen, meine Herren,
auch ich begrüße Sie im Namen des Vorstandes sehr herzlich zu unserer heutigen Telefon-Konferenz.
Dieses Jahr ist geprägt von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die weiterhin im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Umsätze und Ergebnisse waren in vielen Branchen deutlich rückläufig.
(2009-1516-1)
Wir sind deshalb sehr zufrieden, im 3. Quartal die Trendwende geschafft zu haben:
Erstmals in diesem Jahr liegt das EBITDA vor Sondereinflüssen – also eine wichtige Steuerungsgröße – mit 1,5 Milliarden Euro wieder leicht über dem Vergleichswert des Vorjahres.
Zu dieser positiven Entwicklung haben HealthCare und MaterialScience beigetragen. Dabei konnten wir negative Währungseffekte von rund 50 Millionen Euro kompensieren, die insbesondere das Ergebnis von CropScience belasteten.
Meine Damen und Herren,
Sie haben heute Morgen bereits Unterlagen erhalten und konnten sich im Einzelnen mit den Zahlen und Fakten zur Performance des Konzerns vertraut machen. Deshalb möchte ich mich im Folgenden auf einige weitere Kernaussagen zum 3. Quartal beschränken.
Auch wir konnten – trotz enormer Anstrengungen – Rückgänge im Umsatz nicht vermeiden. Der Konzernumsatz sank um 7 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro. Dabei spreche ich – zur besseren Vergleichbarkeit – ausschließlich von währungs- und portfoliobereinigten Veränderungen.
(2009-1516-2)
Der Umsatz von HealthCare wuchs um 4 Prozent – hierzu trugen alle Divisionen bei. Der Teilkonzern steigerte das EBITDA vor Sondereinflüssen um erfreuliche 12 Prozent auf mehr als 1,1 Milliarden Euro.
Das höhere Ergebnis ist insbesondere auf das Geschäftswachstum sowie geringere Vertriebskosten zurückzuführen. Insgesamt sahen wir somit erneut ein starkes Quartal von HealthCare.
(2009-1516-3)
CropScience hingegen verzeichnete – im Vergleich zum starken Vorjahresquartal – ein schwaches Quartal. Nachdem Landwirte und Großhändler zu Jahresbeginn bei höheren Erzeugerpreisen und in Erwartung eines weiterhin knappen Angebots an Pflanzenschutzmitteln frühzeitig geordert hatten, verzeichneten wir im 3. Quartal eine deutliche Kaufzurückhaltung bei unseren Kunden.
Zudem trübten rückläufige Preise für wichtige landwirtschaftliche Kulturen und ungünstige Witterungsbedingungen das Marktumfeld im 3. Quartal 2009 erheblich ein. Infolgedessen sank der Umsatz um 8 Prozent. Dabei konnten deutliche Umsatzrückgänge in Europa und Nordamerika durch die Zuwächse in Lateinamerika nicht kompensiert werden.
Das EBITDA vor Sondereinflüssen des Teilkonzerns verringerte sich von 207 auf 108 Millionen Euro. Ein Drittel des Rückgangs resultierte aus negativen Währungseffekten. Ursächlich waren zudem niedrigere Absatzmengen unserer Pflanzenschutzmittel und Environmental-Science-Produkte sowie leicht rückläufige Absatzpreise.
Meine Damen und Herren,
bei der Bewertung des CropScience-Geschäftes ist die Quartalsbetrachtung sicherlich nicht immer aussagekräftig. Aufgrund der Diversität des Geschäfts und regional unterschiedlicher, besonderer Marktverhältnisse kann es hier zu Verschiebungen kommen.
Betrachten wir das bisherige Dreivierteljahr, so liegt der Umsatz fast 2 Prozent über und das EBITDA vor Sondereinflüssen lediglich rund 6 Prozent unter dem des Vorjahres.
(2009-1516-4)
Bei MaterialScience hat sich die bereits im 2. Quartal angedeutete Trendwende bestätigt: Das Geschäft hat sich im 3. Quartal spürbar erholt, so dass der Teilkonzern gegenüber dem Vorquartal das Ergebnis von 121 auf 238 Millionen Euro fast verdoppeln konnte – und damit annähernd das Vorjahresniveau von 255 Millionen Euro erreicht hat.
Der Umsatz blieb konjunkturbedingt noch um 22 Prozent unter dem Vorjahreswert. In der Region Asien/Pazifik allerdings konnten wir unsere Absatzmengen bereits wieder steigern. Und im Vergleich zum 2. Quartal verzeichnete MaterialScience weltweit Nachfragesteigerungen in allen Hauptabnehmerbranchen.
Meine Damen und Herren,
nun noch einige Konzernkennziffern. Das Konzernergebnis im 3. Quartal betrug 249 Millionen Euro.
(2009-1516-5)
Bereits seit mehreren Quartalen weisen wir ein bereinigtes Ergebnis je Aktie aus. Damit wollen wir die Vergleichbarkeit unserer Performance mit anderen Firmen, insbesondere im Hinblick auf die Einflüsse großer Akquisitionen, erleichtern. Das bereinigte Ergebnis je Aktie hat sich gegenüber dem Vorjahresquartal von 0,85 auf 0,78 Euro reduziert.
Der Brutto-Cashflow lag im 3. Quartal mit 1,2 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Aufgrund von Verbesserungen im Working Capital bei HealthCare und CropScience stieg der Netto-Cashflow um 23 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.
Die Nettofinanzverschuldung konnten wir infolgedessen auch im 3. Quartal senken: um eine Milliarde Euro auf 10,7 Milliarden Euro. Damit sind wir unserem Ziel, die Schulden bis zum Jahresende weiter in Richtung 10 Milliarden Euro abzubauen, nähergekommen.
Meine Damen und Herren,
auch strategisch sind wir in diesem Jahr erfolgreich unterwegs. So haben wir uns durch weitere Zukäufe und eine Vielzahl von Lizenz- und Kooperationsabkommen an entscheidenden Stellen gezielt verstärkt.
(2009-1516-6)
Dazu gehörten im Jahresverlauf unter anderem bei HealthCare:
- Forschungs-, Entwicklungs- und Vertriebskooperationen vor allem im Bereich der Onkologie,
- der Erwerb von Exklusivrechten an einem Insulin für den chinesischen Markt, sowie
- der Erwerb zweier dermatologischer US-Produkte.
CropScience hat umfassende Lizenzabkommen im Bereich der Pflanzeneigenschaften abgeschlossen. Auch die vereinbarte Akquisition des US-amerikanischen Biotechnologie-Unternehmens Athenix soll unser BioScience-Geschäft stärken.
Meine Damen und Herren,
blicken wir nun nach vorne. Wir sehen uns in unserer früheren Aussage bestätigt: _Die Weltwirtschaft scheint den konjunkturellen Tiefpunkt überwunden zu haben. Für den weiteren Verlauf dieses Jahres gehen wir von einer Fortsetzung dieses Trends aus. Allerdings ist es noch zu früh, von einem sich selbst tragenden Aufschwung in der Industrie zu sprechen.
Für HealthCare hat sich unsere Prognose im bisherigen Jahresverlauf bestätigt. Die erzielte Steigerung von Umsatz und EBITDA vor Sondereinflüssen belegt diese Einschätzung. Auch im 4. Quartal erwarten wir gegenüber dem sehr starken Vorjahresquartal ein leichtes Wachstum. Wir gehen weiter davon aus, die bereinigte EBITDA-Marge in Richtung 28 Prozent zu steigern.
Weniger positiv sieht die Lage für CropScience aus: Das Marktumfeld hat sich im 3. Quartal verschlechtert. Dennoch plant der Teilkonzern für das Gesamtjahr – und auch für das laufende Quartal – einen Umsatz über Vorjahr. Für das EBITDA vor Sondereinflüssen gehen wir aufgrund des schwachen 3. Quartals von einem Rückgang gegenüber dem hohen Vorjahresniveau aus. Dementsprechend erwarten wir jetzt eine EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen zwischen 23 und 24 Prozent.
Bei MaterialScience lagen Umsatz und Ergebnis im 3. Quartal signifikant über dem niedrigen Niveau des Vorquartals. Wir gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung auch im 4. Quartal weiter stabilisiert. Aufgrund der üblichen saisonalen Abschwächung der Geschäftsaktivitäten zum Jahresende rechnen wir für das laufende Quartal zwar mit einem bereinigten EBITDA unter dem Niveau des 3. Quartals, jedoch deutlich über dem Schlussquartal des Jahres 2008.
(2009-1516-7)
Vor diesem Hintergrund erwarten wir für das Gesamtjahr weiterhin einen Konzernumsatz von 31 bis 32 Milliarden Euro und halten an dem ambitionierten Ziel fest, den Rückgang des EBITDA vor Sondereinflüssen für den Konzern auf ca. 5 Prozent zu begrenzen. Wir können somit unsere Jahresprognose für den Konzern bestätigen.
Meine Damen und Herren,
dazu trägt bei, dass MaterialScience umfassend auf die gravierende Nachfrageschwäche reagiert hat. Bereits frühzeitig wurden erhebliche Produktionskapazitäten in allen Bereichen vorübergehend stillgelegt.
Bis zum Jahresende werden Produktionskapazitäten für Polyurethanes, Coatings, Adhesives, Specialties und Basic Chemicals dauerhaft stillgelegt. Darüber hinaus werden alle bisher angekündigten Restrukturierungsprogramme bei MaterialScience beschleunigt umgesetzt.
Meine Damen und Herren,
wir haben bereits vor Jahren damit begonnen, unsere Wettbewerbsfähigkeit in allen Teilkonzernen und Servicegesellschaften zu verbessern.
So haben wir in den Jahren seit der Neuorganisation – also von 2002 bis heute – Effizienzsteigerungs- und Kostensenkungsmaßnahmen mit einem Volumen von rund 4 Milliarden Euro umgesetzt. Damit haben wir die Basis für unseren langfristigen Erfolg stetig weiter gestärkt.
Die derzeit laufenden Restrukturierungsprogramme wollen wir in diesem Jahr abschließen. Die in diesem Zusammenhang anfallenden Sonderaufwendungen beziffern wir auf ca. 350 Millionen Euro.
Darüber hinaus sind bereits in den ersten neun Monaten rund 200 Millionen Euro Sondereinflüsse, unter anderem für Rechtsfälle, angefallen. Gut die Hälfte dieses Betrages, also mehr als 100 Millionen Euro, entfällt jedoch auf die zusätzliche Vorsorge für den Pensionssicherungsverein der deutschen Unternehmen.
Insbesondere die großen Konzerne mit ihren umfangreichen Pensionssystemen sind damit die tragenden Stützen der Insolvenzsicherung der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland und über den Pensionssicherungsverein weit überproportional beteiligt.
Die Solidargemeinschaft der deutschen Wirtschaft leistet somit einen wichtigen Beitrag zur sozialen Absicherung. Die Industrie steht – auch und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – zu der Verantwortung für ihre Mitarbeiter.
Meine Damen und Herren,
Sie haben gesehen: Wir wollen dieses Jahr in dem herausfordernden Umfeld relativ erfolgreich beenden.
Unsere Prognose für das Jahr 2010 werden wir Ihnen mit der Vorlage des Geschäftsberichts 2009 vorstellen.
Nicht zuletzt aufgrund der in den vergangenen Jahren vorgenommenen Neuausrichtung des Geschäftsportfolios sind wir für die weitere Entwicklung des Konzerns in den kommenden Quartalen zuversichtlich.
Vielen Dank!
Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung des Bayer-Konzerns bzw. seiner Teilkonzerne beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.